Technora erscheint immer häufiger in den Spezifikationen moderner Performance-Segeltaue, insbesondere in den Mänteln hochbelasteter Fallen, Schoten und Kontrollleinen. Es wird üblicherweise mit Polyester gemischt und tritt manchmal zusammen mit anderen Hochleistungsfasern wie Dyneema und Kevlar auf.
Aber was genau ist Technora, und was trägt es zu einem Tau bei?
Die Antwort betrifft vor allem das, was an der Außenseite des Taus geschieht. In vielen modernen Performance-Konstruktionen liefert ein Kern aus Dyneema oder einer anderen hochmoduligen Faser den größten Teil der Festigkeit und der dehnungsarmen Eigenschaften, während der Mantel die völlig andere Aufgabe hat, den Kontakt mit Winschen, Klemmen, Jammern, Scheiben und Deckorganizern zu überstehen.
Genau hier wird Technora besonders nützlich.
Was ist Technora?
Technora ist eine Hochleistungs-Para-Aramidfaser, die von Teijin Aramid hergestellt wird. Sie gehört zur gleichen großen Faserfamilie wie Kevlar und Twaron, auch wenn sich Chemie und Eigenschaften unterscheiden.
Für Segeltaue sind die wichtigsten Eigenschaften hohe Festigkeit, ausgezeichnete Abrieb- und Ermüdungsfestigkeit, sehr geringes Kriechen und eine besonders gute Hitzebeständigkeit.
Die letzten beiden Eigenschaften sind bei Taumänteln besonders wichtig.
Ein belastetes Fall, das in einer Klemme gehalten wird, ist erheblicher Kompression ausgesetzt, während Schoten und Fallen, die über Winschen und durch Decksbeschläge laufen, wiederholtem Abrieb unterliegen. Rutscht ein stark belastetes Tau über eine Oberfläche, kann durch Reibung außerdem erhebliche örtliche Hitze entstehen.
Technora ist für dieses Umfeld sehr gut geeignet. Anders als thermoplastische Fasern werden Aramide bei steigenden Temperaturen nicht einfach weich und schmelzen, und Technora verträgt deutlich höhere Temperaturen als HMPE-Fasern wie Dyneema.
Das macht Technora aber nicht grundsätzlich zur „besseren“ Taufaser als Dyneema. Beide Materialien haben in der Regel unterschiedliche Aufgaben.
Warum Technora im Mantel?
Man kann ein modernes Performance-Tau als zwei zusammenhängende Strukturen betrachten.
Der Kern ist vor allem dafür verantwortlich, die Zugkraft zu tragen und die Dehnung zu kontrollieren. Deshalb wird Dyneema in Performance-Fallen und -Schoten so verbreitet eingesetzt: Es bietet extrem hohe Festigkeit bei geringem Gewicht und sehr geringer Dehnung.
Der Mantel muss diesen Kern schützen und eine funktionierende Schnittstelle zwischen Tau und den Beschlägen der Yacht bilden.
Er benötigt daher eine sinnvolle Kombination aus Abriebfestigkeit, Hitzebeständigkeit, Grip, Flexibilität und guten Handling-Eigenschaften.
Der Beitrag von Technora ist besonders wertvoll dort, wo das Tau hohen Lasten in Verbindung mit Reibung und wiederholtem mechanischem Verschleiß ausgesetzt ist. Das macht Konstruktionen mit Technora-Tau besonders relevant für Fallen, die durch hochbelastete Klemmen laufen, und für Schoten, die regelmäßig über Winschen gearbeitet werden.
Hitze und Abrieb sind hier eng miteinander verbunden. Eine geringe Bewegung unter hoher Last kann erhebliche Reibungshitze erzeugen, während derselbe Mantelabschnitt wiederholt komprimiert oder an Beschlägen gerieben wird.
Technora hilft dabei, den Mantel für dieses anspruchsvolle Umfeld auszulegen.
PremiumRopes TN Racing
Warum sind Technora-Mäntel meist Mischungen?
Wenn Technora so nützliche Eigenschaften hat, warum stellt man dann nicht den gesamten Mantel daraus her?
Weil ein guter Taumantel ein Kompromiss zwischen unterschiedlichen Anforderungen ist.
Polyester bleibt ein ausgezeichnetes Mantelmaterial. Es ist haltbar, relativ wirtschaftlich und hat gute Handling-Eigenschaften. Dyneema bietet ein außergewöhnliches Verhältnis von Festigkeit zu Gewicht und kann in passenden Konstruktionen die Abriebeigenschaften verbessern, verträgt jedoch nur begrenzt hohe Temperaturen. Kevlar und andere Aramide bringen eine weitere Kombination aus Festigkeit, Hitzebeständigkeit und Abriebverhalten mit.
Technora kann daher mit anderen Fasern gemischt werden, um einen Mantel für eine bestimmte Anwendung zu entwickeln.
Wichtig ist: Das Vorhandensein von Technora allein bestimmt nicht, wie ein Tau sich verhält. Anteil und Art der Fasern, Garnkonstruktion, Flechtgeometrie und das Zusammenspiel von Kern und Mantel sind alle entscheidend.
Das Gleiche gilt für den Grip. Technora kann zum Griffverhalten eines Performance-Mantels beitragen, doch Grip ist nicht einfach eine dem einzelnen Faserwerkstoff eigene Eigenschaft. Mantelkonstruktion, Oberflächenstruktur, Taudurchmesser sowie Bauart und Zustand der Winsch oder Klemme beeinflussen alle, wie sicher ein Tau gehalten wird.
Deshalb bedürfen Begriffe wie Technora-Tau oder Technora-Leine einer Einschränkung. Technora kann nur einen Teil eines bewusst konstruierten Mischmantels um einen völlig anders aufgebauten, lasttragenden Kern bilden.
Technora-Taumäntel in der Praxis
Gottifredi Maffioli Powertech 78 ist ein gutes Beispiel, weil die Konstruktion klar spezifiziert ist. Es verwendet den hochmoduligen Novabraid 78-Kern von Maffioli mit einem Mantel aus 50 % Technora und 50 % hochfestem Polyester.
Anstatt den Technora-Anteil zu maximieren, kombiniert der Mantel dessen Hitze- und Abriebfestigkeit mit den Handling- und Haltbarkeitseigenschaften von Polyester.
Powertech eignet sich besonders gut für Performance-Fallen, bei denen geringe Dehnung mit einem Mantel kombiniert werden muss, der konzentrierte Lasten in Klemmen und den wiederholten Einsatz an Winschen verkraftet. Es kann bei ähnlichen Anforderungen auch als Performance-Schot verwendet werden.
Premiumropes TN Racing folgt dem gleichen Grundprinzip und verwendet einen hochmoduligen Stirotex-Kern mit einem Technora/Polyester-Mantel. Premiumropes gibt die Anteile der Mantelmischung nicht an, hebt aber Abriebfestigkeit und Grip in stark belasteten Klemmen, Jammern und Winschen hervor – genau das Umfeld, in dem eine Technora-Mischung sinnvoll ist.
Robline Admiral Pro ist ein weiteres Beispiel dafür, dass Technora in den Mantel eines Hochleistungs-Segeltaus eingearbeitet wird. Auch hier wird die genaue Mischung nicht veröffentlicht, was verdeutlicht: Zu wissen, dass ein Tau Technora enthält, ist nur ein Teil des Verständnisses seiner Konstruktion.
Wann ist Technora sinnvoll?
Nicht jedes Segeltau braucht Technora.
Für viele Fahrtenanwendungen bietet ein gutes, polyesterbemanteltes Dyneema-Tau ein ausgezeichnetes Gleichgewicht aus Leistung, Haltbarkeit und Kosten. Technora wird interessanter, wenn die Lasten steigen und das Zusammenspiel zwischen Tau und Beschlägen anspruchsvoller wird.
Sinnvoll ist es, in Begriffen des Belastungsprofils zu denken, statt nur danach, ob eine Yacht ein Fahrten- oder Regattaboot ist.
Ist das Tau in einer Klemme stark belastet? Läuft derselbe Abschnitt wiederholt um eine Winsch? Wird es regelmäßig unter Last verstellt? Hat der bisherige Mantel Verglasung, Rutschen oder beschleunigten Verschleiß gezeigt?
Wenn ja, kann ein Mantel mit Technora-Anteil einen echten Vorteil bieten.
Entscheidend ist, dass es bei der Auswahl moderner Performance-Taue nicht nur um Bruchlast oder Kernmaterial geht. Der Kern trägt die Last, aber der Mantel muss die Yacht überstehen.
Die Kombination von Hitzebeständigkeit, Abriebfestigkeit und mechanischer Haltbarkeit macht Technora zu einem besonders nützlichen Werkzeug, um Mäntel zu entwickeln, die genau das leisten.



Technora in Performance-Segeltauen: Warum es wichtig ist